Nachfolgend die kompletten Briefe, aus denen die Zitate entnommen wurden:
Transkription des Briefes von August an Lefmanns am 30. 8. 1916:
“30.8.16.
Meine Lieben!
Heute bin ich ein Jahr Soldat, habe also meinen Einjährigen absolviert und in dieser Zeit allerhand als alter Soldat mitgemacht. Mit meinem rechtsseitigen Gehör ist es nicht schlimmer geworden. Unsere Kompagnie bezieht heute auf 6 Tage Ruhequartier. Der Arzt war heute morgen nicht im Revier, und da ich heute morgen nur 36,7° Körpertemperatur hatte, konnte ich ja auch schon mit Ruhequartier beziehen und mich daselbst wieder zum Revierdienst melden. Die Kompagnie wird erst nachts um 11 Uhr abgelöst. Ich machte mich aber schon nachmittags gegen 4 Uhr mit noch 4 anderen Revierkranken auf den Weg. Vorher musste ich aber noch all meine Sachen aus dem Graben holen. Ich ging also von der Revierstube durch die Laufgräben zu unserem Unterstand. Dort sah es wüst aus. Von meinen Sachen war nichts zu sehen, der ganze Unterstand war leer. Meine Gruppe hatte den benachbarten Unterstand bezogen. Ich ging dort hinein, und der Unteroffizier sagte mir, von meinen Sachen sei nur Mantel, Zeltbahn, Gasmaske und Brotbeutel übriggeblieben, alles andere sei beschädigt oder total vernichtet, selbst das Gewehr, infolge der Minenwirkung. Diese Sachen hingen nämlich nicht weit vom Eingang an den Treppenseiten. Ich nahm also die noch übriggebliebenen Sachen mit zur Revierstube und von da machten wir uns auf den Weg. Es stürmte und regnete mächtig und nach 2 ½ stündigem Marsch kamen wir in unserem Ruhequartier ziemlich übernässt an. Wir schlafen in einer großen Baracke. Die Quartiere und Betten sind sehr gut. Es ist jetzt 10 ½ Uhr und ich will jetzt zu Bett gehen. Die anderen von der Kompagnie werden wohl um 1 ½ Uhr ankommen. Morgen schreibe ich weiter.
31. 8. 16. Heute haben wir viel mit Sachen instand setzen zu tun gehabt. Das war eine Heidenarbeit. Ihr könnt Euch denken, wie wir aussahen. Unser Ruhequartier heißt Esterville bei Lens. Wir haben nun wieder 6 Tage Ruhe. In unserer Stellung hatte unsere Kompagnie 2 Tote und 7 Verwundete innerhalb 6 Tagen. Das ist gewiss nicht viel und nichts gegen die Kämpfe an der Somme. Wie denkt man über die neuen Kriegserklärungen? Verfluchte Geschichte. Sollte dadurch der Krieg nicht bald zu Ende gehen, oder wird er dadurch noch verlängert? Nun liegt sich ja fast ganz Europa in den Haaren. Alle sind vom Wahnsinn befallen. Heute bekam ich auch von Paul einen Brief, die „Deutschlandfestlichkeiten“ hätte ich wohl mitmachen mögen. Ach, wie habt ihr es doch gut in der Heimat gegen uns! Es ist wahrhaftig schon wieder 9 ½ Uhr abends, und um 10 Uhr muss ich in der Falle sein.
Lebt alle recht wohl. Es grüßt Euch alle tausendmal
Euer August.“